Die Inszenierung der Regisseurin Nora Bussenius begibt sich in Zwischenwelten: zwischen Narkose und Aufwachen, zwischen rauschhafter Geisterwelt und der Banalität alltäglicher Begierden. Ein liminaler Zustand also, ein undurchdringliches Nicht-mehr-Leben und Noch-nicht-Sterben. Bühnenbildnerin Lara Belén Jackel hat die deutsche Tragödie in ein steril-weißes Setting übersetzt, das viele aus eigenen Krankenhausaufenthalten oder -besuchen kennen: Wer hier landet, zum Heilen oder Sterben, findet nichts Gemütliches, sondern ein Erleben, das sich seiner eigenen Wahrhaftigkeit nie ganz sicher sein kann. So liegt auch Faust da, sich selbst, seinen Erinnerungen und dem Willen des medizinischen Personals ausgeliefert.
Diese frühe »Faust«-Fassung vom jugendlichen Goethe besticht durch eindringliche, unmittelbare Sprache. Hier steht nicht der Pakt mit dem Teufel im Mittelpunkt, sondern die Tragödie um Faust und Gretchen: eine unmögliche Liebesgeschichte, die nicht nur an ihrer Minderjährigkeit scheitern muss. Gretchen, im Grunde selbst noch Kind, begehrt, liebt und leidet. Sie bricht aus sexualfeindlicher Tugend und gesellschaftlicher Norm aus und wird schließlich zur Mörderin ihres eigenen Kindes – oder doch nicht? Jedenfalls: Gretchen ist hier nicht nur Projektionsfläche, sondern eine vielseitige und autarke Frauenfigur.
Regie Nora Bussenius
Bühne und Kostüme Lara Belén Jackel
Musik Sebastian Undisz
Dramaturgie Kornelius Luther
Regieassistenz Urs Humpenöder
Soufflage/ Inspizienz Mariia Chechel
M – Gevatterin Tod – Muhme Gewissen – Mephisto Ute Menzel
Faust Klaus Gramüller
Fausts Widergänger Daniel Koch, Lev Semenov
Gretchen Kristin Heil
Marthe, Lieschen, Erdgeist Ute Menzel
Kind Klara Broßeit/ Marie Gierschner/ Helena Schöpplein
Weitere Termine: 11.03.2026, 18 Uhr + 12.03.2026, 18 Uhr + 13.03.2026, 19.30
Uhr + 22.03.2026, 16 Uhr + 11.04.2026, 19.30 Uhr


